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Smarte Steckdose: Wann spart sie wirklich Strom?

Berechne Eigenverbrauch, vermiedenen Standby und Kaufpreis deiner smarten Steckdose. Mit Nettoersparnis, Verlustfall und offenem Rechenweg.

Eine smarte Steckdose spart nur dann Energie, wenn sie mehr Verbrauch vermeidet, als sie selbst zusätzlich benötigt. Bei sehr niedrigem Standby kann die Stromrechnung sogar steigen. Der Kaufpreis kommt erst im zweiten Schritt dazu.

Stell dir eine TV-Ecke vor, die nachts und während der Arbeit ungenutzt bleibt. Das Abschalten klingt sinnvoll. Ob es sich rechnet, hängt aber an zwei Messwerten: dem Standby der Geräte und dem Eigenverbrauch der Steckdose.

Rechner: Ersparnis nach Eigenverbrauch

Vergleiche dieselbe Nutzung mit und ohne smarte Steckdose. Alle Startwerte sind frei gewählte Beispiele.

DEIN VERGLEICH
Tage, zusätzliche Zentrale und Kaufpreis

Die Zentrale läuft im Modell genauso viele Tage wie die Steckdose. Nur zusätzlich verursachten Verbrauch eintragen. Bereits bezahlte Hardware: Kaufpreis 0 €.

Die Steckdose bleibt an den eingetragenen Anschlusstagen 24 Stunden am Netz. Schaltungstage dürfen nicht darüber liegen. Rechenjahr: 365 Tage.

RECHNERISCHE ERSPARNIS
7,77€ / Jahr
Vermiedener Standby
29,20 kWh
Steckdose + zusätzliche Zentrale
7,01 kWh
Energiebilanz
22,19 kWh weniger
Standby muss größer sein als
1,20 W
Kaufpreis durch Ersparnis gedeckt nach
2,6 Jahren

Beispiel: 5 W Standby, täglich 16 Stunden aus, 0,8 W Eigenverbrauch und 35 ct/kWh. Kein Geräte-Testwert.

Gleiche Steckdose, völlig anderes Ergebnis

In beiden Beispielen bleibt die smarte Steckdose das ganze Jahr angeschlossen. Sie unterbricht die Stromversorgung täglich 16 Stunden und benötigt im Tagesmittel angenommene 0,8 W. Eine zusätzliche Zentrale gibt es nicht. Der Arbeitspreis beträgt beispielhaft 35 ct/kWh.

Pro Jahr, ohne KaufpreisGerätegruppe mit 5 W StandbyEinzelgerät mit 0,5 W Standby
Vermiedener Standby29,20 kWh2,92 kWh
Eigenverbrauch der Steckdose7,008 kWh7,008 kWh
Bilanz22,192 kWh weniger4,088 kWh mehr
Stromkosten7,77 € weniger1,43 € mehr
Bei 20 € KaufpreisEtwa 2,6 Jahre bis zum AusgleichKein Ausgleich durch Stromersparnis

Die Grenze liegt hier bei 1,2 W vermeidbarem Standby. Genau an dieser Grenze gleichen sich die Energiemengen aus; erst darüber wird Strom gespart. Das ist keine allgemeine Kaufgrenze. Andere Abschaltzeiten, eine zusätzliche Zentrale oder ein höherer Eigenverbrauch verschieben sie.

Auch die Schaltungstage zählen: Wird dieselbe 5-W-Gruppe nur an 220 Arbeitstagen je 16 Stunden abgeschaltet, die Steckdose bleibt aber 365 Tage am Netz, sinkt die jährliche Ersparnis auf 3,71 €. Bei 20 € Kaufpreis wären es rund 5,4 Jahre.

Welche Werte du wirklich brauchst

1. Miss den Zustand, den du abschalten willst

Die Leistung während eines Films ist kein Standby-Wert. Miss die ungenutzte Gerätegruppe über einen passenden Zeitraum. Aus 0,040 kWh in acht Stunden werden im Mittel 5 W: 0,040 × 1.000 ÷ 8. Das ist ein Rechenbeispiel. Bei wechselnden Zuständen helfen mehrere vergleichbare Messungen; der Messleitfaden erklärt die Auswahl des Zeitraums.

2. Prüfe, was die App überhaupt mitzählt

Eine Verbrauchsanzeige ist nicht automatisch eine Messung der gesamten Steckdose samt angeschlossenem Gerät. Die Web-Anleitung zum Shelly Plug S beschreibt die Leistungsanzeige beispielsweise als Verbrauch des angeschlossenen Geräts. Daraus folgt: Setze diese Anzeige nicht ungeprüft mit der gesamten Netzaufnahme gleich.

Für den Eigenverbrauch nutze eine zum genauen Modell passende Angabe oder ein geeignetes separates Messgerät vor der smarten Steckdose. Ohne angeschlossenes Gerät lassen sich ihre Ein- und Aus-Phasen getrennt erfassen. Bei sehr kleinen Leistungen muss das Messgerät dafür hinreichend genau sein. Ein angezeigtes 0,0 W beweist sonst keinen Nullverbrauch.

3. Rechne einen Tagesmittelwert

Angenommene 0,5 W während 16 ausgeschalteter Stunden und 1,0 W während acht eingeschalteter Stunden ergeben (0,5 × 16 + 1,0 × 8) ÷ 24 = rund 0,667 W. Trage diesen Mittelwert ein, nicht nur den niedrigeren Aus-Wert. Passt du den Zeitplan an, prüfe auch den Mittelwert neu. Gibt es Anschlusstage ohne Abschaltung, berücksichtige auch deren Eigenverbrauch. Ein Mittelwert nur aus Schaltungstagen lässt sich dann nicht unverändert auf alle Anschlusstage übertragen.

Die Herstellerdaten des Shelly Plug S nennen für genau dieses Modell einen Eigenverbrauch unter 1 W. Das ist weder ein Wert für alle WLAN-Steckdosen noch eine unabhängige Messung. Die 0,8 W im Rechner sind unsere frei gewählte Annahme, kein aus dem Datenblatt abgeleiteter Testwert.

So rechnet die Nettoersparnis

Nenne die tägliche Abschaltzeit h, die Schaltungstage S und die Tage am Stromnetz A. Für einen Jahresvergleich gilt:

  1. Vermiedene Energie: Standby-Watt × h × S ÷ 1.000.
  2. Zusatzbedarf: (mittlere Steckdosen-Watt + zusätzliche Zentralen-Watt) × 24 × A ÷ 1.000.
  3. Nettoersparnis in kWh: vermiedene Energie minus Zusatzbedarf.
  4. Nettoersparnis in Euro: Netto-kWh × Arbeitspreis in ct/kWh ÷ 100.

Die Mindestleistung im Standby ergibt sich aus Zusatzbedarf in kWh × 1.000 ÷ (h × S). Ohne Abschaltstunden oder Schaltungstage gibt es keinen sinnvollen Schwellenwert. Für die einfache Amortisationszeit wird der noch anfallende Kaufpreis durch eine positive jährliche Geldersparnis geteilt. Eine lange rechnerische Zeit ist keine Aussage über die Lebensdauer.

Das Modell setzt gleichbleibende Messwerte und einen festen Arbeitspreis voraus. Es zählt keine zusätzlichen Neustarts, nachgeholten Ladezyklen oder veränderten Nutzungsgewohnheiten. Solche Effekte prüfst du mit einer vollständigen Vorher-Nachher-Messung. Der feste Grundpreis deines Stromvertrags verändert sich durch diese Abschaltung normalerweise nicht und gehört daher nicht in den Gerätevergleich.

Eine nur dafür neu angeschaffte Zentrale gehört in den Zusatzbedarf und gegebenenfalls in den Kaufpreis. Einen ohnehin laufenden Router rechnest du nicht pauschal vollständig an. Verursacht die vorhandene Zentrale dadurch keinen nachweisbaren Mehrverbrauch, trage für diesen Vergleich 0 W ein.

Vier Schritte vor dem Dauerbetrieb

  1. Erst messen. Eine Messsteckdose kann nacheinander mehrere geeignete Geräte prüfen. Du brauchst nicht für jedes Gerät sofort eine dauerhafte Automatisierung.
  2. Abschaltung prüfen. Die Geräteanleitung entscheidet, ob eine regelmäßige Trennung vom Netz sinnvoll ist. Kühlung, medizinische Geräte, Sicherheitstechnik oder Geräte mit notwendigen Nachläufen sind keine pauschalen Abschaltkandidaten. Zulässige Lasten und Schaltbedingungen beachten.
  3. Die Nettozahl bewerten. Negativer Wert: mehr Energieverbrauch. Kleiner positiver Wert: geringe Einsparung. Komfort kann trotzdem ein Kaufgrund sein, ist aber keine Stromersparnis.
  4. Nachmessen. Vergleiche ähnliche Tage mit gleicher Nutzung. Änderungen am Tarif oder eine Urlaubswoche dürfen nicht als Wirkung der Steckdose erscheinen.

Wenn du nur wissen willst, was ein gemessener Dauerverbrauch kostet, reicht der Standby-Rechner. Für Änderungen ohne neue Hardware gibt es den messbaren Wochencheck.

Häufige Fragen

Verbraucht eine smarte Steckdose Strom, wenn sie ausgeschaltet ist?

Wenn nur ihr Ausgang ausgeschaltet ist, bleibt ihre eigene Elektronik am Netz. Verwende einen passenden Eigenverbrauchswert; das Abschalten des angeschlossenen Geräts bedeutet nicht automatisch null Netzaufnahme.

Ist eine einfache schaltbare Leiste immer besser?

Sie kann dieselbe Abschaltung ohne eine smarte Steuerung ermöglichen. Entscheidend sind ihr tatsächlicher Eigenverbrauch, deine Nutzung und die erlaubte Abschaltung der Geräte. Eine automatische Schaltung kann praktischer sein; der Rechner bewertet nur Energie und Kaufpreis.

Was bedeutet ein negativer Nettowert?

Unter deinen Annahmen verbrauchen Steckdose und zusätzliche Zentrale mehr, als durch das Abschalten entfällt. Es gibt dann keine Amortisation allein durch Stromersparnis.

Sind 35 ct/kWh der aktuelle deutsche Durchschnitt?

Nein. Das ist ein Beispiel. Trage den Bruttopreis je kWh aus deinem eigenen Vertrag ein.

Quellen und Einordnung

Herstellerunterlagen: Shelly Plug S: technische Daten und Web-Oberfläche und Messanzeige, abgerufen am 14. Oktober 2026. Die Zahlenbeispiele und die Vergleichsrechnung stammen von Wattklar. Es fand kein eigener Produkttest statt.

Rechenbeispiele erstellt am 14. Oktober 2026. Annahmen und Methodik